Serge Benhayon ist mir zum Freund geworden.

Ich habe Serge auf einem Vortrag 2008 in Köln zum ersten Mal gesehen und war sehr skeptisch. Meine Frau hatte mich überredet mit ihr dorthin zu gehen.

Ich erwartete einen asketischen Mann mit langen weißen Haaren und einem weißen Bart, vielleicht stechenden Augen. Nichts davon traf zu. Serge Benhayon setzte sich in nichts von den Zuhörern ab, er war fast enttäuschend normal, weil er in keine vorgefertigte Schublade passte.

Was ihn sonst noch unterschied: Er war kein Verkäufer in eigener Sache. Er erzählte von Krankheiten und ihrer Bedeutung für uns, als Mitteilungen der Seele, die den Menschen über den Körper erreicht. Dieser Ansatz war mir durchaus geläufig, und trotzdem war er anders.

Ich hatte die sog. esoterische Szene nach meinem Studium kennengelernt, verschiedene Huna-Vita-Seminare besucht, war zeitweise Gast bei Meditationsgruppen und hatte einiges an entsprechender Literatur verdaut. Beim Verständnis half mir etwas philosophisches Halbwissen, das ich mir im Selbststudium angelesen hatte. Von Hause aus war ich katholisch sozialisiert, dieses Umfeld hatte mich jedoch – abgesehen von einigen theologisch anspruchsvollen Predigten aus jahrelangen Kirchgängen – selten innerlich berührt. Die Eso-Szene hatte mich jedoch komplett desillusioniert. Hier war mindestens ebenso viel Manipulation unterwegs wie in den etablierten Kirchen.

Zurück zu Serge. Was war an ihm besonders? Er wollte nichts von mir, weder wollte er mich überzeugen, noch mein Geld, versprach keine ‚Levitation’ oder anderen Hokuspokus. Es war seltsam ungewohnt: er hatte keine Erwartungen.

Im Gegenteil, er zeigte großen Respekt vor seinen Zuhörern und vermittelte mir, dass es keinen Unterschied zwischen uns gibt. Es war zu fühlen, dass er das wirklich ernsthaft meinte. Sein Respekt hatte keine Distanz, sondern er freute sich sichtlich über die Begegnung.

Er sagte, dass wir alle selbst mit unserer Seele die Wahrheit in uns tragen und eigentlich niemanden brauchen, der uns zu uns selbst führt. Wir haben alles bei uns, was wir brauchen, und wir spüren vieles über unseren Körper, wenn wir dafür aufmerksam werden und nicht bloß im Außen suchen.

Ich stellte ihm einige Fragen, nicht ganz ohne Eitelkeit. Ich weiß nicht mehr, ob ich die Tiefsinnigkeit meines Denkens oder meine englischen Sprachkenntnisse demonstrieren wollte, jedenfalls hatte ich das Gefühl, dass er den ernsten Teil der Frage genauso erkannte wie die eitlen Nebenabsichten. Und er antwortete so, dass die Fragen den maximalen Nutzen für alle Zuhörer gleichermaßen erbrachten. Als hätte ich nicht nur mich, sondern das ganze Auditorium mit meiner Frage im Blick gehabt.

Ich habe über die vergangenen Jahre einige Kurse mit Serge Benhayon gemacht, die alle nur einem Zweck gedient haben: Mich mir selbst näher zu bringen und alles loszulassen und aufzugeben, was meine vordergründige Scheinidentität ausmacht. Oder besser: zunehmend frei zu werden von Ängsten, Mustern und Erwartungen, vor allem den eignen. Im Wesentlichen geschieht dies über Körperarbeit und deren Reflexion. Ich hatte einen intellektuellen Schutzwall aufgebaut, war schlagfertig und ließ vor allem Männer nicht an mich heran, sondern befand mich im dauernden Wettbewerb. Heute kann ich mehr Nähe zulassen und muss mich nicht mehr so schützen. Und damit kann ich auch auf andere zugehen und mich eher öffnen.

Darüber ist mir Serge zum Freund geworden. Jemand, dem man alles anvertrauen und von sich zeigen kann ohne verurteilt oder bewertet zu werden. Nie geht es darum schöner, besser, anders zu sein – sondern nur darum man selbst zu sein.

Sich selbst zu finden und auszudrücken, wie man ist, ist das größte Geschenk, das ein Mensch der Welt geben kann. Jeder Mensch, jeder dort wo er gerade ist!

Das hat mir Serge gezeigt und vorgelebt – und dafür bin ich ihm sehr dankbar.

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  • Von Klaus Winkels, Rechtsanwalt

  • Foto: Iris Pohl, Photographer and Videographer