Und was, wenn wir alles falschrum verstanden hätten?

Und was, wenn wir alles falschrum verstanden hätten?

Und was, wenn wir alles falschrum verstanden hätten?

Als mein Vater starb, war ich im Nebenzimmer, und ich räumte etwas auf, die Türe war angelehnt. Bei ihm waren meine Mutter und eine Pflegerin. Ich hörte seinen Atem. In meinem Herzen war Wärme und Innigkeit, die tiefe Liebe zwischen meinem Vater und mir. Sein Körper kämpfte, aber das Gefühl in meinem Herzen war warm. Als sein Körper aufhörte zu atmen, war da nicht nur die gleiche Wärme und Innigkeit in meinem Herzen, sie war sogar tiefer, größer und weiter, fast lauter als zuvor.

Für mich war das einfach und machte Freude. Die anderen in unserer Familie trauerten und nahmen Abschied. Ich spürte Freude und einen Neuanfang mit so viel Liebe in meinem Herzen wie nie.

Dürfen wir uns denn freuen, wenn jemand stirbt?

Und ich meine nicht, weil wir ihn nun endlich los sind – oder weil die Person von einer gräuslichen Krankheit erlöst wurde, sondern Freude wie bei dem Ereignis einer Geburt?

Es gibt so viele Ansichten über Leben und Sterben, woher wir kommen und wohin wir gehen, wie Sand am Meer.

Für mich war seit jeher klar, dass wir nur kurz hier auf der Erde sind, und viel länger woanders. In meinem Körper fühlte sich das irdische Leben immer vergleichsweise langsam und träge an, als wäre das Leben da, wo wir herkommen deutlich lebendiger und leichter.

Aber es gab niemanden weit und breit, mit dem ich dieses Gefühl teilen konnte. Für viele in meinem Umfeld war der Tod ein mehr oder weniger schweres Thema.

Sterben ist für die meisten Menschen ein Trauma – sowohl für die Sterbenden als auch für die Hinterbliebenen. Wir verknüpfen mit dem Sterben Wörter wie „Verlust“ und „tot“ und „endgültig“. Beerdigungen erkennt man an einer Mischung aus Schwere, betretenem Schweigen, leisem Schluchzen, und dem Geruch von Vergänglichkeit in der Luft.

Wie sollte es auch anders sein? In unseren Breiten lernen wir von klein auf, worauf wir uns fokussieren müssen: auf Materie.

  • Da steht ein Baum. Wir lernen, den Baum zu sehen. Wir sehen nicht, was zwischen 2 Bäumen pulsiert und lebendig ist.
  • Da ist ein Stern. Wir lernen, den Stern zu sehen. Wir sehen nicht, was zwischen 2 Sternen pulsiert und lebendig ist.

Was anderes als wir sehen können, ist da scheinbar nicht.

Wenn jemand nicht vor einem steht, ist der nicht da, oder? Geister gibt es nur in Geschichten. Und wenn etwas keinen Körper hat und sich nicht bewegt, lebt und existiert es nicht.

Serge Benhayon stellte einmal die Frage: „Was siehst du, wenn du in den Nachthimmel schaust?“ Und alle waren sich einig: „Sterne“ - wie wir es als Kinder gelernt hatten.

Und Serge machte uns darauf aufmerksam, dass wir dort vor allem Raum sehen. Da ist unendlich viel mehr Raum als Sterne, und doch liegt unsere Aufmerksamkeit vor allem bei den Sternen. Wir sind überwältigt von der scheinbar unendlichen Anzahl der Sterne.

Und was uns so tief berührt beim Blick in den Nachthimmel, ist möglicherweise gar nicht das Licht der Sterne, sondern der unendliche Raum... Was uns so wohl tut im Wald, sind vielleicht gar nicht die Bäume, sondern der Raum, in dem die Bäume sind... Was uns so berührt in der Verbindung zu einem Menschen, ist möglicherweise nicht in erster Linie der Körper sondern ein Gefühl in unserem Innersten...

Wir haben gelernt, die Lebendigkeit eines Menschen an dem fest zu machen, was wir außerhalb von uns sehen, hören, ertasten. Aber wir fühlen die Lebendigkeit eines Menschen immer in unserem Innersten. Es ist in unserem Innersten, wo wir Liebe empfinden, Nähe, Verbundenheit, nie außerhalb von uns.

Nur weil jemand nicht mehr im Raum ist, heißt das nicht, dass er tot ist. Schon die Physik lehrt uns, dass Energie nicht verschwinden kann, nur ihren Zustand ändern.

So ist es auch mit dem Tod. Die Lebendigkeit des Menschen ist offensichtlich nicht mehr im Körper. Aber niemand hat je bewiesen, dass die Lebendigkeit tot ist. Solange wir sie nicht finden, kann sie ja einfach woanders sein.

Und Jesus und andere Philosophen, Propheten und Weise haben uns gelehrt, wo wir Lebendigkeit finden können: In uns.

So wie im Weltall ist auch in uns viel mehr Raum als Materie. Wenn wir nur still genug sind, wieder auf die Sprache der Schwingung zu hören, wie wir es als Kinder konnten, können wir die Lebendigkeit tief in uns spüren.

Wenn wir unseren Fokus bei einem Sterbenden innen halten, tief in unserem Innersten Herzen, können wir die Liebe und Lebendigkeit unabhängig davon spüren, was im Außen geschieht.

Mein Vater wird mir nicht mehr mit seiner warmen Hand über den Kopf streicheln, aber die Wärme, die das in mir ausgelöst hat, kann niemals sterben, kann nur wachsen, je mehr ich mir erlaube, sie wahrzunehmen.

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  • Von Felix Kremer, Heilpraktiker