Das Leben erforschen

Wenn ich das Wort Forschung höre, ruft das bei mir Erinnerungen an die Naturwissenschaftler früherer Zeiten hervor.

Jene Menschen, die ihre Umwelt beobachteten und sich dabei von der herrschenden Meinung nicht abschrecken ließen, sondern bereit waren vorbehaltslos ihre Umgebung, die Natur und die Sterne zu beobachteten, um die Zusammenhänge unserer Welt, unseres Lebens und unserer Herkunft zu erforschen. Menschen wie Henry Thoreau, Galileo und Leonardo da Vinci oder in der Antike Hypatia oder Pythagoras.

Vielleicht hatten sie Instrumente, mit denen sie experimentierten und Berechnungen, die sie erstellten, aber vor allem hatten sie eines: Die Fähigkeit zu beobachten, ohne sich zu involvieren und sich dabei zu verlieren. Sie hatten die Geduld und die Muße, die Gezeiten und die Natur zu betrachten und die Offenheit und Unvoreingenommenheit, etwas darüber herauszufinden und sich auf das Wissen, welches uns darüber zur Verfügung steht, einzulassen.

Als Kinder haben wir es alle gekannt und gelebt, diese unschuldige Neugier, Fragen zu stellen, den eigenen Körper, seine Bewegungen und seine Sinne zu erforschen, ohne eine prägende Idee oder ein Bild, wie es sein sollte. Es scheint, dass uns dies mit der Zeit immer mehr verloren geht und unser Bildungssystem fördert dies kaum, denn es vermittelt oft den Eindruck, als ob alles schon bekannt wäre und lehrt in erster Linie bereits erforschtes und etabliertes Wissen, was auswendig gelernt und nachgeplappert werden soll.

Ohne den Anspruch oder auch Wunsch, neue Erkenntnisse zu erlangen oder größeres Wissen anzuzapfen, stumpfen wir mehr und mehr ab und bewegen uns in einer langweiligen Routine, die äußere Stimulation braucht, um sich lebendig zu fühlen. Das Einpauken von Fakten und die Einteilung des Wissens in richtig und falsch, versperrt uns den Blick und den Sinn dafür, zu beobachten und Dinge auf uns wirken zu lassen und neue Erfahrung zu machen.

Es ist jedoch die Fähigkeit, zu beobachten und mit Abstand und unvoreingenommen betrachten zu können, die höheres Wissen und größere Erkenntnisse zulässt.

Wer das Leben mit diesem Ansatz betrachtet und erforscht, kann vieles entdecken und Erkenntnis erlangen über Zusammenhänge, die sonst im Verborgenen bleiben, jedenfalls so lange, bis es so weit ist, dass sie unweigerlich ans Licht kommen.

Ein Beispiel hier ist der frühere Glaube, dass die Erde flach ist, der uns einige Jahrhunderte stark beeinflusst hat, bevor die längst gemachte Erkenntnis der Weisen des Altertums, dass die Erde rund ist, unweigerlich „bewiesen“ wurde.

Heutzutage sind wir in dem Prozess anzuerkennen, dass alles Energie ist, die Formel wurde von Einstein belegt E=mc2, aber was bedeutet das für unser Leben, wie wirkt sich das aus, wenn wir erkennen, dass alles Energie ist? Oder die logische Schlussfolgerung, die Serge Benhayon daraus zieht, dass wenn alles Energie ist, alles auch aufgrund von Energie geschieht? Wir sind noch weit davon entfernt dies als Gesellschaft voll zu begreifen und anzuerkennen, aber jeder Einzelne hat durchaus die Möglichkeit, das für sich zu erforschen.

Wenn wir die Forschung nicht einfach den Wissenschaftlern und Studierten oder Gelehrten überlassen, sondern bereit sind, unsere eigenen Körper und das Zusammenspiel miteinander und unsere Verhaltensweisen untereinander zu beobachten, fangen wir an, unser eigenes Forschungsprojekt ins Leben zu rufen und können daraus viele Erkenntnisse ziehen, die möglicherweise erst in Jahrzehnten oder Jahrhunderten zum allgemeinen Verständnis werden.

Wir können damit anfangen, unseren physischen Körper näher kennen zu lernen und zu verstehen, warum und wann er krank wird oder wo Unwohlsein herkommt. Und wie der Körper darauf antwortet, wenn wir ihn umhegen oder vernachlässigen, nähren oder aushungern, unterstützen oder bekämpfen.

Wir können herausfinden, welchen Einfluss unsere zwischenmenschlichen Beziehungen auf uns haben. Welche Beziehungen fördern uns, lassen uns wachsen und gedeihen und bringen uns zum Leuchten und welche begrenzen uns, schüchtern uns ein, machen uns klein und unscheinbar?

Es ist wichtig dabei offen zu bleiben für das Neue, denn manchmal ist die Antwort eine überraschend andere, als wir erwartet hätten oder meinten gewusst zu haben.

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  • Von Judith Andras, Heilpraktikerin

  • Foto: Dean Whitling, Brisbane based photographer and videographer of 12 years.